30.7.2021 um 19 Uhr: Victoria Naraxsa in der Roten Galerie

Michael Ziegler und Victoria Naraxsa Foto: Elizabeta Shlosberg

Koberger Str. 57 – Ausstellung mit Victoria Naraxsa bis 30.7.2021

10 Tage im russischen Knast – Zeichnungen aus dem Gefängnis

Victoria Naraxsa (Moskauer Künstlerin, Aktivistin und Regisseurin) hat in ihren Zeichnungen die Zeit reflektiert und festgehalten, die sie in einem russischen Gefängnis verbringen musste, nachdem sie unrechtmäßig zu einer 10-tägigen Haft verurteilt wurde.

Da wir nicht durchgehend geöffnet haben, werden wir uns nach euch richten. Schreibt  uns doch eine kurze Mail an allianzfreidemrussland@gmail.com, wenn Ihr kommen möchtet.

Zeichnung von Victoria Naraxsa, Foto: Michael Ziegler

Hintergrund: Nach der Vergiftung von Aleksey Nawalny und der Veröffentlichung seines Dokumentarfilms “Ein Palast für Putin” breiteten sich in Russland Proteste auf über 100 Städte im ganzen Land aus. Diese wurden vom russischen Staat gewaltsam unterdrückt. Mehr als 4000 Menschen wurden alleine am 23. Januar 2021 festgenommen.

Dies ist eine Geschichte von jemanden, den wir sehr gut kennen. Wir sind das ArtiSchocken-Kollektiv aus Nürnberg. Victoria Naraxsa ist keine Unbekannte in Nürnberger Kulturlandschaft und eine langjährige Freundin von uns vielen. Victoria hat die immersive Theaterform nach Nürnberg gebracht und immersive Aufführungen wie „Harte Marschroute“, „ANTIGONE“ und „Bernardas Albas Haus“  in Zusammenarbeit mit dem ArtiSchocken-Kollektiv Nürnberg inszeniert.

Am 23. Januar 2021 wurde Victoria zusammen mit Maria Alekhina (Pussy Riot) und Lucy Shteyn (Gemeindevertreterin) verhaftet. Victoria wurde vorgeworfen, der Polizei nicht gehorcht zu haben. Auf die Frage, woraus ihre Ungehorsamkeit bestünde, antwortete der Polizeibeamte: „Sie haben sich passiv widersetzt“. Keine entlastenden Zeugenaussagen, bzw. Videoaufnahmen wurden zum Prozess zugelassen. Jedoch wurde die Aussage eines Polizeibeamten, der nicht bei der Festnahme dabei war, gehört. Sogar die Zeit im Protokoll lief rückwärts. Nach diesem Protokoll wurde Viktoria um 18:40 verhaftet, um 18:15  in die Polizeidienststelle gebracht und um 18:05 wurde das Protokoll aufgesetzt… Dies ist eine Geschichte, die die Willkür des russischen Rechtssystems illustriert. Die Illustrationen von Victoria zeigen, wie sie, zusammen mit anderen Insassen, die Zeit im Gefängnis fast schon zu einer Art-Performance umgewandelt hat.

In einem Interview im Online-Magazin Snob erzählt Victoria, dass sie ihren Tagesablauf organisiert hat, um ein bisschen Normalität in das triste Leben in einer überfüllten Gefängniszelle zu bringen. Die Gefangenen machten nach dem Aufwachen miteinander Yoga, zogen sich zu jedem Essen um, zeichneten viel, dachten sich SPA-Prozeduren. Kurz beschrieben: “Das antike Rom multipliziert mit buddhistischen Praktiken.” © Naraxsa.

Victoria Naraxsa kommt extra aus Moskau nach Nürnberg und bringt die Originale der Zeichnungen mit. Die vergrößerten Kopien, die in der Galerie hängen und die Originale der Zeichnungen werden zugunsten der Queer Studio Russia verkauft. Queer Studio Russia ist eine Organisation von Victoria Naraxsa, die sie mit drei weiteren Aktivisten gegründet hat, die sich für die Rechte der LGBTQ-Community in Russland stark macht. Auch Kunstobjekte von Künstlerin Polina Pravdikova, die extra für diese Ausstellung angefertigt wurden, stehen zum Verkauf, um die LGBTQ-Community zu unterstützen.

Die Ausstellung ist in Kooperation mit der ROTEN GALERIE, der Karl-Bröger-Gesellschaft und der Allianz für ein freiheitlich-demokratisches Russland.